copyright Frank Chudoba

Kurz nach 10 verließ ich mit voller Montur das Hotel. Ich machte einen kleinen Abstecher in die nahe gelegene evangelische Stadtkirche, auch in der Hoffnung dort jemanden anzutreffen. Doch in der ganzen Stadt war es an diesem Mittwoch recht ruhig und frei von der üblichen Hektik des Alltags. Nach dem kräftigen Regenschauer am Vortag soll es heute trocken bleiben und bei vergleichsweise angenehmen 28 Grad liegen. 

Als nächste Etappe hatte ich bei meiner Planung vor etwa zwei Wochen via Google Maps Maulbronn herausgesucht. Dieser Ort mit seinem im Jahr 1147 gegründeten Kloster, welches mit seiner Klosteranlage und seinem Marktplatz virtuell schon sehr ansprechend aussah, sollte ich nach etwa drei Stunden Fußmarsch erreichen. 

Zuerst geht es am Schloß Kaltenstein vorbei, mit seinen beindruckenden Weinstöcken und einer großen Mauer, welches die Stadt abgrenzt. Auf der anderen Seite die Enz. Mein Weg führt durch Illingen, Lienzingen und Schmie. Mit einer WanderApp wäre ich vermutlich weiter nördlich gewandert und hätte Schmie im wahrsten Sinne des Wortes links liegen gelassen. Doch Schmie sei sogar älter als Vaihingen oder Maulbronn, wurde bereits 788 namentlich erwähnt und jahrhundertelang Grenzort Württembergs zur Pfalz. Der Ursprung sei keltisch und ist auf den gleichnamigen Fluß zurückzuführen. Diese Beachtung hat dieser Ort während meiner Wanderung nicht erfahren.
Nun geht es in zügigen Schritten in nördlicher Richtung. 

Schon wenige Minuten nach dem Eintreffen in Maulbronn erreichte ich auch das Kloster Maulbronn. Dieses sei die am besten erhaltene Klosteranlage des Mittelalters, nördlich der Alpen und gehört seit Dezember 1993 zum UNESCO-Welterbe. Der ganze Platz, der von historischen Häusern im Fachwerkstil umgeben ist, beeindruckt mich. Nach ein paar Fotos und ein kurzer Blick in die Klosteranlage, welche leider nicht innen begehbar ist, folgt die Pause unter einem beeindruckenden Baum. Erst einmal die Schuhe ausziehen, hinlegen, entspannen. Der Blick richtet sich auf die Blätter des Baumes, auf den Brunnen, die schönen Häuser, die Gastronomie. Wenig später konnte ich es nicht lassen, mir dort ein kühles Bier zu gönnen. Gerade an heißen Tagen löscht es am besten den Durst und ist willkommende Abwechslung zu dem täglich in Plastikflaschen abgefüllten Leistungswasser. 

Ich schlendere nun barfuß über den Marktplatz. Die Zahl der Personen dort hält sich in Grenzen. So bin ich wohl auch ein willkommener Gast in einem Souvenierladen mit integrierten Cafe. Ich komme mit einer Dame ins Gespräch. Neugierig wegen meines vollgepackten Rucksacks fragt sie nach. Ich erzähle von meiner noch jungen Wanderung, von meinem Ziel und meiner Motivation. Sie lädt mich zu einem Milchkaffee und einem Käsekuchen ein. Sehr lecker. 

Die Reise musste weitergehen, zumal ich auch noch keinen festen Rastplatz für die kommende Nacht ausgemacht hatte. Mit dem Zelt auf dem Rücken und den schier unendlichen Grünflächen sicherlich kein schwieriges Unterfangen, doch abseits der Wohngebiete sollte es schon sein. Ich biege ab in nördlicher Richtung, durch einen Wald. An höchster Stelle prankt ein Hinweisschild, dass an dieser Stelle die letzte Hinrichtung Baden-Württembergs am Galgen stattgefunden haben soll. Etwas schauerlich finde ich das schon und unterlasse sogar ein Beweisfoto dieser Stelle, dieses Schildes zu machen. Der Galgenweg verweist noch namentlich auf die Geschichte.
Drei Kilometer vom Kloster entfernt erreiche ich am Fuße der Erhebung die Grillhütte Staig. 
Welch ein idealer Platz, zumal man auf einer der Bänke mit Tisch sitzen kann und eine Hütte Schutz vor Unwetter bieten könnte. Ich baue das Zelt auf der anderen Seite des Weges auf. Ein wenig versteckt hinter einem Busch. Ich lege mich schon mit Anbruch der Dämmerung ins Zelt, höre, wie Jugendliche auf dem Grillplatz Musik hören oder Spaziergänger mit Hund vorbeilaufen.

In der Nacht - es ist stockfinster - wache ich auf. Irgendetwas raschelt, schnuppert an meinem Zelt, gräbt mit seinen Pfoten. Ein Tier oder mehrere. Ich bleibe still. Ein wenig unbehaglich fühle ich mich schon. Und ich kann es rückblickend vorwegnehmen: Was jetzt eher unheimlich auf mich einwirkt, wird zur Faszination wachsen. Die Faszination, inmitten der Natur zu schlafen, nur getrennt durch die dünne Plane und das Mückennetz des Zeltes zu den Tieren, die Nachts auf Futtersuche gehen. Die Angst vor dem Unsichtbaren - der Dunkelheit schafft in mir ein neues Vertrauen. Eine Erfahrung, mit der Natur enger verbunden zu sein. Eine Erfahrung die in den kommenden Outdoor-Nächten noch wachsen wird.


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